Kreuzbandverletzungen

Fehlt das vordere Kreuzband, z. B. durch eine Sportverletzung, wird das Knie instabil. Die Patienten spüren ein "Weggehen" des Gelenkes insbesondere auf unebenen Boden oder in unbedachten Momenten. Wird dies nicht behoben, drohen meist Folgeschäden der Menisken, des Knorpels und des restlichen Kapselbandapparates. Eine vorzeitige Arthrose ist häufig. Nur in ca. 5 % der Fälle ist durch nicht-operative Therapie eine zufriedenstellende Ausheilung möglich.

Grob unterschieden wird zwischen Verletzungen des vorderen und des hinteren Kreuzbandes. Der Ersatz von vorderem und hinterem Kreuzband erfolgt prinzipiell gleich und auch mit den gleichen körpereigenen Sehnen. Die Ergebnisse der hinteren Kreuzbandplastik sind jedoch allgemein schlechter, weswegen zunächst alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft werden sollten. Die Versorgung der Kreuzbänder (Kreuzbandplastik) erfolgt arthroskopisch gestützt ausschließlich durch eine körpereigene Sehne mit der medialen Patellasehne und 2 Knochenblöcken oder mit der Sehne des Musculus semitendinosus. Bei Rupturen der Kreuzbandplastik kann auch ein Teil der Quadrizepssehne zum Einsatz kommen.

Vergleichende Untersuchungen zwischen dem Ersatz mittels der Patellasehne oder der Semitendinosussehne beim gleichem Operateur geben der Patellasehne kleine Vorzüge in Bezug auf spätere Festigkeit und unter dem Gesichtspunkt der Patientenzufrieden- heit. Bei einigen tausend Kreuzbandplastiken haben auch wir die Erfahrung gemacht, dass die Patellasehne die stabilere "sichere" Versorgung, insbesondere bei noch gewünschter sportlicher Belastung, ist. Kosmetisch erscheint uns die Semitendinosussehne geringfügig im Vorteil, da die Narben etwas seitlicher liegen. Zu Vor- und Nachteilen der OP-Techniken beraten wir Sie ausführlich. Um bei Kindern mit ihren offenen Wachstumsfugen kein Fehlwachstum zu induzieren, verwenden wir bei ihnen ausschließlich die Semitendinosussehne.

Das "A" und "O" der Kreuzbandchirurgie ist die anatomisch korrekte Platzierung der Bohrung der Fixationslöcher im Gelenk einerseits und andererseits eine sichere übungsstabile Fixierung des Transplantates im Bohrloch für die Einheilungsphase. Hier besteht eine Lernkurve. Die Semitendinosussehne wird arthroskopisch in den Oberschenkelknochen mit Reibung eingezogen und an einem sogenannten Endo-Button aufgehangen. Im Schienbeinkopf gilt das gleiche Passprinzip, hier Fixation über eine Knochenbrücke. Damit wird das oft Probleme bereitende Fremdmaterial auf ein Minimum beschränkt.

Die Patellasehne wird arthroskopisch gestützt ober- wie unterschenkelseitig mittels Press-fit-Technik fixiert. D. h. das Bohrloch wird geringfügig kleiner als die zwei zu verpflanzenden Knochenblöcke gebohrt. Die Knochenblöcke werden dann wie Dübel eingeschlagen und verklemmt. Bei weichem Knochen im Schienenbeinkopf (z. B. bei älteren Patienten) wird zur Sicherung eine sich auflösende Interferenzschraube ("Zuckerschraube") zusätzlich eingebracht.

Registerdaten zeigen, dass die Semitendinosus-Sehne beim Aufbau des vorderen Kreuzbandes 4 x häufiger reißt als die Patellasehne (BTB-Transplantat).

Nachbehandlung bei Kreuzbandplastiken

Es ist eine intensive physikalische Therapie über längere Zeit (6 - 12 Wochen) erforderlich. Ein genauer Nachbehandlungsplan ist einzuhalten, um ein möglichst gutes Gesamtergebnis zu erzielen. Im Regelfall wird nur für die stationäre Zeit von wenigen Tagen eine Schiene mit Klettverschlüssen zur Nacht gegeben, um maximale Bewegungen mit Auslockerungen der Fixierungen zu vermeiden. Die Vollbelastung und eine Beugung über 90 ° sind meist nach 3 Wochen erreicht.

Arbeits- und Sportfähigkeit nach Kreuzbandoperationen

Entsprechend der Belastung am Arbeitsplatz kann ab der 4. postoperativen Woche wieder mit der Arbeit begonnen werden - bei körperlich schwerer Arbeit erst nach der 6. - 8. Woche. Sportarten ohne plötzliche Richtungsänderung oder Beschleunigungsvorgänge (z. B. leichtes Joggen in ebenem Gelände, Schwimmen, Radfahren) können vorsichtig nach 6 - 8 Wochen begonnen werden. Sportarten mit den o. g. höheren Belastungen nach 6 - 9 Monaten. Es sollte auch kritisch überprüft werden, ob das alte Sportniveau insbesondere bei gefährdenden Sportarten unbedingt wieder erreicht werden muss.